Ewigkeit

Nachdem der Sommer und die Geschäftigkeit der Ernte vorbei sind, beginnt eine nachdenkliche Zeit des Jahres. Wenn man beschäftigt ist, dann ist Zeit immer in Stücke gemessen. Zeit bis zum nächsten Termin. Zeit, die gut genutzt werden will.

Manchmal, wenn man zur Ruhe kommt, fällt das weg. Wenn es nicht nur ein bisschen Ruhe bis zum nächsten Termin ist, kann es sein, dass man die Zeit anders wahrnimmt. Die Zeit besteht dann nicht mehr aus gemessenen Stücken, Sekunden und Minuten, die nacheinander vergehen, sondern man vergisst die Zeit. In solchen Momenten gelingt es einfach da zu sein. Aus aufeinander folgenden Zeitstücken wird einfach Gegenwart. Erst wenn der Moment endet, gewinnt man wieder ein Verhältnis zur Zeit und fragt sich, wie viel Zeit denn vergangen ist.
 
Das, was man in solchen Momenten spürt, hat etwas von Ewigkeit. Ewigkeit nicht als unendliche Folge von Zeitstücken, sondern Ewigkeit als eine Art zeitloser Gegenwart. Letztlich verstehen wir als zeitliche Wesen die Ewigkeit nicht. Aber wenn diese Erfahrung nicht trügt, dann sind all die, die uns vorangegangen sind in die Ewigkeit nicht irgendwo von uns getrennt, sondern in einer Weise gegenwärtig. Das ist doch das, was wir feiern an Allerheiligen und Allerseelen, dass die Verstorbenen nicht „weg“ sind, sondern „da“.
 
Es gibt Momente, da kann ich das beinahe mit Händen greifen. Bis dann der Moment vorbei ist, die Zeit drängt und ich weiter muss.
  
Martin Heine, Kooperator