Ein nebliger Novembertag – und ich sehe gerade bis zum Nachbardach, allenfalls die Bäume dahinter sind noch zu erahnen. Dabei würde ich doch gerne „klar sehen“ und deutlich erkennen, was vor mir liegt oder auf mich zukommt.
Novembertag
Die Menschen im Evangelium zum 16.11. (Lk 21,7) fragen: „Meister, wann wird das geschehen?“ – auch sie stehen „im Nebel“ und wollen wissen, was kommt. Das Bedürfnis, die Zukunft zu kennen, ist so zeitlos, wie die entsprechenden Bemühungen ziellos sind. „Vorhersagen sind immer schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“ (angeblich von Karl Valentin). Und doch wird es immer wieder versucht – vom Lesen im Kaffeesatz oder den Sternen bis zur Quantenphysik. Wobei die Wissenschaft sich freuen sollte, wenn eine Vorhersage nicht eintrifft – das erfordert Verbesserungen an der Lehrmeinung. Das kann anstrengend sein, wenn ich mich in meiner Meinung eingerichtet habe. Noch schwieriger, wenn viele andere (m)einer Meinung sind.
Haben dann „die Anderen“ eben keine Ahnung und keinen Plan? Oft gibt es für die unvorhersagbare Zukunft sehr konkrete Planungen. Kurios: die Zukunft meine ich genau zu kennen – bei der Gegenwart bin ich unsicher. Das Heute ist sehr komplex – die Zukunft soll einfacher sein?! „Einfache Lösungen“ führen meist zu folgender Erfahrung: Früher war alles besser – sogar die Zukunft war früher besser!
„Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt!... Lauft ihnen nicht nach!“ (Lk21,8)
Hier und Jetzt Leben - statt für Dort und Dann Planen und Sorgen … im Nebel auf Sicht fahren, statt die eigene Vorstellung von der Welt hinter der Nebelwand als Realität verkaufen. Und nicht zuletzt ein wenig Gottvertrauen: „Am Ende ist alles gut. Und wenn noch nicht alles gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!“
Kommen Sie gut durch den Nebel
Ihr
Werner Ströbele, Diakon
